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Architektur und Erzählung: Räumliche und zeitliche Metaphern in der systemischen Beratung

Systemische Organisationsberatung wirkt wesentlich durch Sprache. Begriffe konstruieren Wirklichkeiten: Mit anderen Begriffen laden wir ein, Situationen anders zu begreifen; eine neue Metapher eröffnet eine neue Wirklichkeit; das treffende Wort holt in die Besprechbarkeit, was zuvor namenlos blieb.

Um Beratungsprozesse zu beschreiben, greifen wir vorwiegend auf Metaphern des Raumes zurück: Wir gestalten Architekturen und Designs, schaffen Foren und Arenen, bauen Brücken, setzen Interventionen (gehen dazwischen). Das macht uns anschlussfähig, denn Organisationen sind geübt, in Hierarchien, Kästchen und Strukturen zu denken. Diese technischen Bilder tragen ein stilles Versprechen in sich, das da lautet: Veränderung ist planbar, baubar, steuerbar.

Dieses Steuerungsversprechen beruht jedoch auf einer (oft hilfreichen) Illusion, denn Wandel folgt, wie wir wissen, keinem Grundriss. Er geschieht in Schleifen und Brüchen, kennt Wiederholung und Leerlauf. Was die räumlichen Metaphern der Beratung nicht abbilden, ist also die Eigenzeit von Veränderung: ihr Rhythmus aus Beschleunigung und Verzögerung, das Unvorhersehbare eines Verlaufs, der erst am Ende offenlegt, was er gewesen sein wird. Unter Bedingungen hoher Ungewissheit wird das besonders spürbar, denn bis eine Struktur beschrieben ist, hat sich die Lage schon wieder verändert.

Der Workshop lädt dazu ein, die Metaphern systemischer Beratung einer Beobachtung zweiter Ordnung zu unterziehen und der räumlichen Perspektive eine zeitlich-narrative an die Seite zu stellen. Mit Karl Weicks Einsicht in die Nachträglichkeit des Sensemaking – „How can I know what I think until I see what I say?“ – erscheinen Organisationen weniger als strukturierte Räume denn als Geschichten, die sich fortlaufend schreiben und umschreiben und so Kontingenz, Emergenz und nachträgliches Verstehen sichtbar machen. Dass auch diese Erzählmetapher ihre blinden Flecken hat, ist Teil der Frage.

Der Workshop ist als Experiment angelegt – er vollzieht, wovon er handelt. Ausgehend von Szenen aus der Praxis erkunden die Teilnehmenden ihre eigenen Arbeitsmetaphern und probieren aus, wie sich eine Situation verändert, wenn sie als Verlauf statt als Struktur erzählt wird. Ziel ist keine neue, „richtige“ Begrifflichkeit, sondern zu erkunden, wie Sprache in Organisationen – und Beratung – Wirklichkeit herstellt und begrenzt.