Von denkenden Maschinen und fühlenden Wesen. Systemische Überlegungen zur Zukunft des Menschen im Zeitalter künstlicher Intelligenz
Den Menschen als System zu denken gehört zu den Innovationen moderner Systemtheorie und Kybernetik. Im Zeitalter künstlicher Intelligenz, in dem die Grenzen zwischen technischen und lebenden Systemen zunehmend verschwimmen, offenbaren sich immer deutlicher die Risiken und Nebenwirkungen dieses Denkens. Ist der Mensch als ein System unter anderen tatsächlich nichts anderes als ein "dummer Fleischcomputer" (Elon Musk) und wenn ja, welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?
Von der Beantwortung dieser Fragen könnte nicht weniger als unsere Zukunft abhängen. Wer systemisch, sprich: in größeren Zusammenhängen, denkt, sollte sich daher nicht nur dafür interessieren, wie KI-Technologien lokal möglichst wirkungsvoll genutzt werden können, sondern auch und v.a. danach fragen, welche systemischen, sprich: globalen und strukturellen Auswirkungen diese Technologien haben. Im Workshop soll es genau darum gehen. Ein Denker, der sich dabei als besonders hilfreich erweist, ist der Technikphilosoph Günther Anders. Nicht zuletzt in kritischer Abkehr von den kybernetischen Steuerungsfantasien seiner Zeit betonte er schon in den 1950er Jahren die systemischen Auswirkungen moderner Technologien und vertrat dabei u.a. die These, dass wir uns angesichts der Perfektion unserer Maschinen nicht (nur) entlastet, sondern zunehmend degradiert und unzulänglich fühlen. Er prägte dafür den Begriff der "prometheischen Scham". Im Zeitalter künstlicher Intelligenz erscheinen Anders‘ Thesen aktueller denn je. Im Workshop werden sie zum Ausgangspunkt gemeinsamer Reflexion: Wie äußert sich die prometheische Scham in unserem Alltag? Warum bleibt sie so oft unbemerkt? Was hat sie mit identitätspolitischen Diskursen und aktuellen Debatten, etwa zur Geschlechtsidentität oder Neurodiversität zu tun? Und welche Konsequenzen ergeben sich aus all dem für unser praktisches Wirken in Beratung, Therapie und Organisationsentwicklung?
Der Workshop richtet sich an alle Systemiker:innen, für die systemisches Denken und Handeln mehr ist als die Kenntnis und Anwendung wirkungsvoller Tools. Neben streitbarem Input wird es genug Gelegenheit für Diskussion und Austausch geben.
„Ein spannender Workshop, der mich echt (sic!) zum Nachdenken gebracht hat!“ (ChatGPT, Oben AI)