Resiliente Systeme fördern – Kommunikation, Lernräume und strukturelle Verankerung
Resilienz ist kein Zustand, der sich einmal herstellen lässt. Sie entsteht in und durch Kommunikation, kontinuierlich und auf allen Ebenen einer Organisation. Wie gelingt es, diese Erkenntnis in nachhaltige Beratungsformate zu übersetzen? Silvia Adler und Ulrich Watermann verbinden in diesem Workshop zwei komplementäre Perspektiven: Adler fragt nach den Strukturen, die Lernen ermöglichen. Watermann fragt nach der Kommunikation, die in diesen Strukturen stattfindet.
Silvia Adler, deren Forschung zur systematischen Implementierung organisationaler Resilienzförderung im Non-Profit-Sektor in der Reihe „Verlag für systemische Forschung" bei Carl-Auer erschienen ist, zeigt: Maßnahmen zur Resilienzförderung verpuffen, wenn sie nicht mit institutionalisierten Lern- und Wahrnehmungsräumen verknüpft sind. Es braucht partizipative Strukturen, die kontinuierliches Lernen organisational verankern. Führungskräfte auf allen Ebenen sind dabei nicht Umsetzende, sondern Schlüsselakteure des Wandels.
Ulrich Watermann ergänzt aus einer systemtheoretischen Perspektive: Auch gut gestaltete Lernräume entfalten nur dann Wirkung, wenn die Kommunikation in ihnen Zukunft offenhält. Bereits in seiner Masterarbeit untersuchte er zukunftsoffene Kommunikation als organisationale Kompetenz. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Irritation, Reflexion und Re-Entry. Gemeint ist die Fähigkeit einer Organisation, ihre eigenen Unterscheidungen, Grenzen und Selbstbeschreibungen zu beobachten und ins Gespräch zurückzuholen. Das ist mehr als eine Feedbackschleife. Kommunikation, die eingespielte Deutungsmuster irritiert und Zukunft als Feld von Möglichkeiten statt als Planvorgabe behandelt, wird so zu einem zentralen Ansatzpunkt für Lern- und Veränderungsfähigkeit. Sie ist auf strukturelle und kulturelle Voraussetzungen angewiesen. Diese Voraussetzungen sind nicht statisch, sondern lassen sich durch Übung immer wieder neu aushandeln. Beratung kann dafür Impulse geben. Verstetigen kann die Kompetenz nur die Organisation selbst.
Beide Perspektiven führen zum selben Punkt: Strukturen und Kommunikation bedingen sich gegenseitig. Institutionalisierte Räume ermöglichen zukunftsoffene Kommunikation, und zukunftsoffene Kommunikation macht diese Räume erst lebendig.
Der Workshop entwickelt daraus ein methodisches Designlabor: Wie entstehen Beratungsformate, die partizipative Strukturen (Adler) und zukunftsoffene Kommunikation (Watermann) zusammendenken? Welche Impulse und Formate eröffnen Räume, in denen Organisationen ihre Beobachtungs- und Kommunikationsmuster selbst weiterentwickeln, auch nach Ende des Beratungsprozesses?
Lernziele:
- Den Zusammenhang von Kommunikationsqualität, Lernräumen und organisationaler Resilienz verstehen
- Partizipative Strukturen als Resilienzinfrastruktur planen und gestalten
- Beratungsformate entwerfen, die Lernräume institutionalisieren und nicht nur punktuell aktivieren
- Irritation, Reflexion und Re-Entry als Gestaltungsprinzipien von Beratungsformaten kennenlernen